Die Grünberg-Seilbahn in Gmunden, A
Historische Gondelbahn nur noch bis Ende Oktober 2010 in Betrieb, täglich von 09.00 - 17.00 Uhr!
Ab November 2010 Abbruch und Ersatz durch eine Pendelbahn.
Eine Zweiseil-Umlaufgondelbahn System Wallmannsberger (VÖEST, Linz)
Text und Bilder: © Peter Trieb, Gmunden
Der Grünberg, 1004 m hoch, dem Traunstein vorgelagert,
ist der Hausberg der Bewohner der Stadt Gmunden am Traunsee im
nördlichen Salzkammergut (Bundesland Oberösterreich)
und seit jeher ein beliebtes Sport- und Ausflugziel mit wunderschönem
Panoramablick. Es ist daher nur allzu logisch, dass man sich bereits
in der Mitte des vorigen Jahrhunderts zu Beginn des zweiten Seilbahnbaubooms
in Österreich entschloß, eine Seilbahn auf diesem schönen
Berg zu errichten.
Nach Gründung einer GesmbH, Sicherung der Finanzierung durch
Wiederaufbaukredit und endgültiger Festlegung der Trasse
konnte im Jahre 1956 mit dem Bau der Seilbahn begonnen werden.
Die Seilbahn wurde als Zweiseilumlaufbahn (Trag- und Zugseil,
deutsches System) nach dem System
Dr. Wallmannsberger (pat. Gondelbahn) von der VÖEST in
Linz errichtet und stellt für die damalige Zeit eine Pionierleistung
Österreichischer Ingenieurskunst dar, zumal sämtliche
Arbeiten noch händisch auszuführen waren und das größte
Spannfeld von der Talstation bis zur 1. Stütze (als Kuppengerüst
ausgeführt) 1396m beträgt!
Am 14. September 1957 wurde die Seilbahn feierlich eröffnet
und ihrer Bestimmung übergeben. Gleichzeitig wurde eine neue
Schiabfahrt bis zur Talstation errichtet.
Der Betrieb der Seilbahn entwickelte sich dermaßen gut,
dass im Jahre 1967 ein Hotel am Grünberg eröffnet wurde
und ein Schlepplift den Winterbetrieb am Nordhang des Grünbergs
ergänzte.
Abb.I: Eröffnung der Grünberg-Seilbahn am 14. Sept. 1957, erste Fahrt mit der festlich geschmückten Gondel Nr. 2, Ausfahrt aus der Talstation. Abb.II: Begegnung der talwärts fahrenden Gondel Nr.14 mit Luftschiff, undatierte Aufnahme Ende der 50er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Die Gondeln aus Aluminium waren ursprünglich hochglanzpoliert. Abb.III: Fahrt mit der Revisions- und Materialgondel (Nr.1). Betriebsleiter Trieb (rechts) bei der Talfahrt mit Blick auf Gmunden. Aufnahme um 1960.
Mit der ersten Ausbaustufe der Seilbahn stieß man rasch an die Kapazitätsgrenzen, denn mit den vorhandenen 18 Gondeln konnten maximal 170 Personen/h befördert werden. Nach dem Umbau der Stubnerkoglbahn in Bad Gastein (selbes System) wurden von dieser im Jahre 1972 acht Gondeln erworben, womit die Kapazität ab 1973 auf 300 Personen/h gesteigert werden konnte, wodurch längere Wartezeiten speziell im Winterbetrieb vermieden werden konnten.
In den Jahren 2000 und 2001 wurde die Seilbahn einer großen
Renovierung und Modernisierung unterzogen. Im Jahr 2000 wurde
ein neues Tragseil (Fa. Austriadraht) aufgelegt, das alte war
zwar technisch noch intakt, die Reserven waren aber verbraucht.
Der Antrieb in der Bergstation (Drehstrom-Asynchronmotor mit nunmehr
120KW Leistung), das Getriebe (Blockgetriebe Fa. Modul) sowie
die gesamte elektrische Ausrüstung (Fa. Elin) wurden erneuert,
in den Stationen wurden pneumatische Beschleuniger und Verzögerer
eingebaut, die Gondeln wurden bei der Fa. Swoboda (heute Carvatech)
einer gründlichen Überholung zugeführt. Die Umbauarbeiten
sowie die Überarbeitung der Laufwerke wurden von der renommierten
Fa. Garaventa geleitet.
Nach Beendigung dieser Arbeiten konnte die Seilbahn am 11. Mai
2001 ein zweites Mal eröffnet werden.
Es ist jedoch zu betonen, dass sich trotz des Umbaues sehr
viele Komponenten (zB. Stationsgebäude, Stützen, Gondeln
mit Laufwerken, alle Stahlkonstruktionen) noch im Originalzustand
befinden und man daher durchaus zu recht von einer Nostalgiebahn,
die bestens erhalten und gewartet ist, sprechen kann. So werden
die Gondeln vom Personal auch noch händisch gesperrt und
zur Einstiegs-(bzw. Ausstiegstelle) geschoben.
Seit ihrer Inbetriebnahme im Jahre 1957 hat die Seilbahn weit
über sechs Millionen Fahrgäste befördert. Obwohl die
Konzession noch ca. 10 Jahre (ab 2006) laufen würde, ereilt diese
technisch interessante Bahn Ende Oktober 2010 das gleiche Schicksal wie
das vieler ähnlicher Anlagen zuvor: Sie wird ohne Rücksicht
auf die wertvolle historische Bausubstanz abgebrochen und durch eine
moderne Pendelbahn ersetzt. Somit fehlt nicht nur in der Schweiz,
sondern leider auch in Österreich das Bewusstsein für
technische Einrichtungen von verkehrs- und tourismusgeschichtlicher
Bedeutung mit industriekulturellem Wert. (Anm. C. Gentil)
Technische Daten der Grünberg-Seilbahn:
| Inbetriebnahme | 14. September 1957 |
| Ausserbetriebsetzung, Abbruch | Ende Oktober 2010 |
| Erbaut durch | VÖEST, Linz (Vereinigte Österreichische Eisen- u. Stahlwerke) |
| Bahnsystem | Zweiseil-Umlaufbahn System Wallmannsberger |
| Bahnlänge | 1962 m |
| Betriebslänge | 2100 m |
| Höhe Talstation | 431,7 m.ü.M. |
| Höhe Bergstation | 981,0 m.ü.M. |
| Höhendifferenz | 549,3 m |
| Mittlere Neigung | 26,6 % |
| Anzahl Stützen | 3 (1. km 1,396; 2. km 1,707; 2a. km 1,9047) |
| Spurweiten | 4 m - 7 m - 5 m - 4 m |
| Grösstes Spannfeld | 1396 m, Talstation-Stütze1 (Kuppengerüst) |
| Tragseile | ø 30 mm, Verschlossenes Spiralseil, (1+6+12)+16S+23S |
| 2330 m Länge, Fa. Austriadraht, Kindberg | |
| Rechn. Bruchlast | 102'000 kp |
| Zugseil | ø 24 mm, Litzenseil, h+6(1+6), 4360 m Länge |
| Fa. Teufelberger, Wels | |
| Rechn. Bruchlast | 41'200 kp |
| Gondeln à 4 Pers. | Ursprüngl. 18, ab 1973 26, heute 24 (2 ausgeschieden) |
| Fa. Swoboda, Oberweis bei Gmunden (heute Carvatech) | |
| Fahrgeschwindigkeit | Ursprüngl. 2,5 m/Sek. + 3,0 m/Sek., umschaltbar |
| Heute 0,1 m/Sek. - 3,3 m/Sek. stufenlos regulierbar | |
| Fahrzeit | 14 Min. bei 2,5 m/Sek., 11 Min. bei 3,0 m/Sek. |
| Förderleistung | Ursprüngl. 170 Pers./h, heute 300 Pers./h und Richtung |
| Antrieb | Bergstation, Drehstrom-Asynchron-Schleifermotor |
| Ursprüngl. 78 kW, heute 120 kW | |
| Getriebe | Blockgetriebe Modul, stufenlos regelbar |
| Hilfsantrieb | Ursprüngl. VW Industriemotor, 44 PS, 0,5 m/Sek. |
| Heute hydraul. Dieselaggregat, 100 kW, stufenlos | |
| Abspannung | Talstation (Tragseile und Zugseil) |
Abb.1: Gondel vor Umbau bei der Talfahrt unterhalb der Stütze 1 (Kuppengerüst) mit Blick auf Gmunden und Traunsee. Sehr beliebtes Fotomotiv. Abb.2: Blick unterhalb der Stütze 1 (Kuppengerüst) auf Gmunden mit Traunsee. Talwärtsfahrende Gondel vor Umbau. Abb.3: Bergwärtsfahrende Gondel oberhalb der Stütze 1 (Kuppengerüst) in km 1,396, Gondel in altem Layout vor Umbau Abb.4: Bergwärtsfahrende Gondel Nr. 14 vor Umbau, Okt. 2000. Vom Hochglanz ist nicht mehr viel über, auch sonst wirken die Gondeln zu diesem Zeitpunkt innen und außen schon sehr abgenützt. Abb.5: Die selbe Gondel Nr. 14 nach Umbau und Renovierung bei der Bergfahrt mit neuem Layout. Die Gondel ist innen und außen wieder wie neu und wirkt daher wieder sehr einladend. Aufnahme Mai 2001.
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Abb.6: Talstation der Grünberg-Seilbahn mit doppelter
Umlenkscheibe für das Zugseil. Hier, bei der Ausstieg- und
Einstiegstelle werden die Gondeln auch heute noch vom Personal
händisch geschoben! Abb.7: Talstation: Spannscheibe
mit Schlitten zur Abspannung des Zugseiles. Abb.8: Talstation:Gondel
Nr. 24 bei der Ausfahrt, Gondel Nr. 17 wird vom Stationsbediensteten
händisch eingeschoben. Das Gefälle bei der Ausfahrt
war früher notwendig um die Gondel auf Zugseilgeschwindigkeit
zu beschleunigen, da noch keine pneumatischen Beschleuniger vorhanden
waren. Diese wurden erst nachträglich beim Umbau 2001 eingebaut.
Abb.9: Talstation von vorne, Tag der zweiten Eröffnung
der Seilbahn am 11. Mai 2001, Eröffnungsfeier mit den Festgästen.
Abb.10: Talstation, kurz vor der Einfahrt. Die bergwärtsfahrende
Gondel rechts hat die Station verlassen.
Abb.11: Bergwärtsfahrende Gondel Nr. 4 nach ca. 700m Fahrt, kurz vor Erreichen der höchsten Stelle über Grund (ca. 90m). Abb.12: Blick bei der Bergfahrt zur Stütze 1 (Kuppengerüst) in km 1,396. Rechte Gondel auf Talfahrt. Abb.13: Gondel Nr.11 auf Talfahrt mit Blick auf Gmunden mit Traunsee. Abb.14: Talwärtsfahrende Gondel Nr. 3 über dem Traunsee, im Hintergrund das bekannte Seeschloß Orth (Fernsehserie). Abb.15: Die imposante, als Kuppengerüst ausgeführte Stütze 1 in km 1,396. Ihre Höhe beträgt ca. 40m, die Länge des Seilschuhes ca. 10m. Das erste Spannfeld reicht von der Talstation bis zu dieser Stütze, somit hat die Grünberg-Seilbahn auch heute noch eines der größten Spannfelder aller Seilbahnen!
Abb.16: Oberhalb von Stütze 1, rechts Bergfahrt, links Talfahrt, im Hintergrund die Stadt Gmunden am Traunsee im Salzkammergut, Oberösterreich. Abb.17: Nochmals Stütze 1 Kuppengerüst in km 1,396 mit talwärts fahrender Gondel. Die Spurweite beträgt bei dieser Stütze 7m. Abb.18: Stütze Nr. 2 in km 1,707 aufgenommen bei der Talfahrt. Rechte Gondel bei der Bergfahrt, deutlich erkennbar die Rollenbatterie für die tiefe Zugseilablage. Höhe der Stütze ca. 15m, Spurweite 5m. Abb.19: Nochmals Stütze Nr. 2 in km 1,707 mit bergwärts fahrender Gondel. Abb.20: Stütze Nr. 2a in km 1,9047. Diese Hilfsstütze wurde nachträglich im Jahre 1967, nach dem Bau des unterhalb der Stütze vorbeiführenden Schleppliftes errichtet.
Abb.21: Gondel am Kuppengerüst bei der Einfahrt in die Bergstation. Abb.22: Bergstation der Grünberg-Seilbahn (Holzkonstruktion) mit dazugehörigem Kuppengerüst. Die Aufnahme erfolgte anlässlich des Spleissens des Zugseiles im April 2003, daher Zugseil links am Boden abgefangen. Abb.23: Nochmals Bergstation, ca. 300m vor der Einfahrt. Linke Gondel auf Talfahrt. Abb.24: Zum Schluß noch einmal das herrliche Panorama bei der Fahrt mit der Grünberg-Seilbahn. Ein Erlebnis, das man nur jedem empfehlen kann!
© Alle Fotos: Sammlung Peter Trieb, Gmunden.
Weitere Infos und Angebote der Grünberg-Seilbahn: www.gruenberg-gmunden.net/
Ein herzliches Dankeschön an Peter Trieb aus Gmunden für
diesen informativen Bericht über die faszinierende Grünberg-Gondelbahn!