Sesselbahn Oberdorf - Weissenstein
Betrieb seit 1. November 2009 eingestellt. Bestrebungen zur Renovation und zum Weiterbetrieb der Sesselbahn im Gange!
"Unter
allen Bergen im Schweizerlande, welche schöne Aussichten aus
bequemer Wohnung darbieten, steht der Weissenstein oben an, oder doch
dem höhern, freier und auf klassischem Boden ruhenden Rigi
zunächst. Aber ein solch vollendetes, malerisches Bild, so
lieblich an den Seiten verlaufend, durch einen so erhabenen Hintergrund
begränzt, so grossartig abgeschlossen, prangt der Weissenstein
einzig."
Diese Umschreibung des Weissensteins
verfasste in den Dreissigerjahren des 19. Jahrhunderts der Solothurner
Arzt und Kantonsphysiker Dr. J. C. Kottmann (1776-1851), der sich sehr
intensiv mit der Geschichte, der Geologie, der Botanik, des Klimas und
der
Bewirtschaftung des Weissensteins auseinandersetzte. Bekannt wurde Dr.
Kottmann zudem durch seine Milch- und Molkenkuren nach Appenzeller
Vorbild, was dem Weissenstein einen regen Fremdenverkehr bescherte.
Auch die Gründung des Kurhauses im Jahre 1826 hatte ihren
Ursprung im frühen Kurbetrieb und ging auf eine Initiative
Kottmanns zurück.
Der
Weissenstein liegt auf der ersten Jurakette ob Solothurn, 1287 Meter
über Meer. Von dieser Höhe aus breitet sich ein
Grossteil des schweizerischen Mittellandes aus, begrenzt durch die
Alpenkette vom Säntis im Osten bis zum Mont Blanc im Westen.
Ein derart grossartiges Panorama erfreute natürlich nicht nur
die Kurgäste, sondern auch schon früh Naturliebhaber,
Wanderer und Sommerfrischler aller Art. Ein weit gereister
Ausländer soll angesichts des
überwältigenden Panoramas einmal gesagt haben: "Der
schönste Punkt der Welt."
Aufgrund
der stetig wachsenden Popularität des Ausflugsziels
Weissenstein
entstanden immer wieder Projekte für eine bequeme mechanische
Erschliessung des begehrten Naherholungsgebietes, die aber aus den
verschiedensten Gründen nicht realisiert werden konnten. Erste
Konzessionsgesuche wurden 1904 für eine elektrische
Drahtseilbahn und für eine Zahnradbahn mit Dampftraktion
eingereicht. Ein nächstes Projekt kam 1911 auf den Tisch: Die
Firma Robert Aebi u. Co. aus Zürich wollte in Zusammenarbeit
mit der bekannten Seilbahnfirma Bleichert aus Leipzig (D) eine
Schwebebahn auf den Weissenstein bauen die in der Lage gewesen
wäre, 40 Personen in der Stunde auf den Berg zu
befördern.
Im Jahre 1929 reichte ein
Baumeister Lüthi aus Solothurn ein Konzessionsgesuch
für einen elektrisch betriebenen Personen- und
Güteraufzug ein, dessen Ausgangsstation in der Mitte des
Weissenstein-Eisenbahntunnels der SMB (Solothurn Münster Bahn,
heute BLS) vorgesehen war. Von dieser Tunnelstation aus hätte
man einen ca. 500 Meter hohen, senkrechten Schacht gegraben, der in der
Gegend des Hinter-Weissensteins aus der Erdoberfläche in die
zu erstellende Bergstation mit dem Aufzugswindwerk münden
sollte. Die Anlage mit zwei im Pendelverkehr auf- und abfahrenden
Liftkabinen à 30 Personen hätte es auf eine
Stundenleistung von 180 Personen gebracht. Nicht nur die
Förderleistung wäre für die damalige Zeit
relativ hoch gewesen, sondern auch die veranschlagten Kosten: Die 1,4
Mio.
Franken dürften für das Scheitern des ehrgeizigen
Projektes mit verantwortlich gewesen sein.
Ein
realistischeres Projekt kam 1934 von einem Initiativkomitee, das im
Auftrag des Verwaltungsrates der SMB handelte. Das Vorhaben stellte
eine Standseilbahn oder eine Luftseilbahn zur Auswahl, wobei beide
Bahnvarianten die Station Oberdorf der SMB als Ausgangspunkt hatten.
Die Standseilbahn wäre via Gartenmatt und die Luftseilbahn
geradlinig zum Weissenstein geführt worden. Den
höheren Kosten von 1,3 Mio. Franken für die
Standseilbahn standen 350 Personen Stundenleistung gegenüber,
während für die Luftseilbahn eine
Förderleistung von 180-190 Personen pro Stunde und Baukosten
von 1,1 Mio. Franken berechnet wurden. Der technische Ausschuss konnte
sich in der Folge weder für das eine noch das andere der
beiden Systeme
entscheiden, sondern lediglich auf die jeweiligen Vor- oder Nachteile
hinweisen, weshalb auch dieses Projekt in den Schubladen verschwand.
Erst
nach dem Krieg ab dem Jahr 1946 wurden die
Projektierungsarbeiten für eine Bergbahn auf den Weissenstein
durch die solothurnische Verkehrsvereinigung und den Kantonsgeometer
Robert Strüby wieder aufgenommen, wobei gleich mehrere
Streckenvarianten und Bahnsysteme evaluiert wurden. Zur Diskussion
standen für die Talstation mögliche Standorte bei den
SMB-Bahnhöfen Oberdorf und Gänsbrunnen, in Oberdorf
Dorfmitte, in Solothurn und oberhalb von Rüttenen.
Für die Bergstation wurden neben dem Standort beim Kurhaus
auch der Hinter-Weissenstein und die Runde Flühe (zwischen
Kurhaus und Hinter-Weissenstein) in Betracht gezogen. Nach
Abwägung aller Vor- und Nachteile der verschiedenen
Ausgangs- und Endpunkte kristallisierte sich bald die Variante mit der
Talstation beim Bahnhof Oberdorf SMB und der Bergstation beim Kurhaus
heraus. Für das zu wählende Bahnsystem kamen zwei
Arten von Seilbahnen in Frage: Eine Pendel-Luftseilbahn oder eine
Sesselbahn, damals auch Sitzlift genannt. Folgende im Seibahnbau
tätigen Schweizer Firmen wurden kontaktiert und gebeten,
Offerten
einzureichen:
Variante
Luftseilbahn mit
geradliniger Strecke von der
Station Oberdorf SMB zum Kurhaus Weissenstein:
-
Von
Roll'
sche Eisenwerke Giesserei Bern, Offerten vom 16. 5. 1946 resp. 30. 7.
1947 (Kabinen à 40 Pers., 250-280 Pers./h)
-
Eisen- und Stahlwerke Oehler AG Aarau, Besprechung im April 1947, bauen
nur Kleinseilbahnen mit Kabinen bis max. 8-10 Pers.
-
Constructions Mécaniques de Vevey SA,
im Jahr 1947 infolge Arbeitsüberlastung nicht in der Lage,
eine
Offerte zu
stellen.
Variante
Sesselbahn ab Station Oberdorf SMB
- Gartenmatte - Nesselboden - Kurhaus Weissenstein, mit 2
Zwischenstationen und 3 Sektionen:
- Von Roll'
sche Eisenwerke Giesserei Bern, Offerte vom 16. 5. 1946 (kuppelbar,
300-400 Pers./h)
-
Henri Sameli-Huber, Meilen ZH, Ski- und Sessellifte System Constam,
Offerte vom 7. 6. 1947 (fix geklemmt, 150-300 Pers./h)
Variante
Sesselbahn ab Station
Oberdorf SMB - Vorberg Südrampe - Nesselboden - Kurhaus
Weissenstein, mit 1 Zwischenstation und 2 Sektionen:
-
Von Roll'
sche Eisenwerke Giesserei Bern, Offerten vom 30. 7. 1947 resp. 20. 7.
1949 (kuppelbar, 450 Pers./h)
- Henri Sameli-Huber, Meilen ZH,
Ski- und
Sessellifte System Constam, Offerte vom 10. 2. 1949 (fix geklemmt, 300
Pers./h)
-
Eisen- und Stahlwerke Oehler AG Aarau, Offerte vom 30. 7. 1947
(kuppelbar, 300 Pers./h)
Von allen Varianten
versprachen
die Vorschläge der Firma Von Roll mit ihrem bei verschiedenen
Bergbahnen
bewährten kuppelbaren Sesselbahnsystem das beste
Kosten-Nutzen-Verhältnis. Als Streckenführung
wählte man die Variante über die
Vorberg-Südrampe (mit einer Zwischenstation auf Nesselboden),
da
diese durch die Besonnung und die sich bietende Aussicht den
höchsten Fahrgenuss versprach. Zudem waren für diese
Variante die Bau- und Betriebskosten tiefer veranschlagt als
für das Projekt mit drei Sektionen. Die berechneten Baukosten
setzten sich
wie folgt zusammen:
Mechanische und elektrische
Ausrüstung: Fr. 695'000.-
Hoch- und
Tiefbauten, Stützenfundamente: Fr. 225'000.-
Stromzuführung,
Bau- und Durchleitungsrechte, Gründungs- und
Projektierungskosten, Bauzinsen, Mobiliar, Diverses: Fr.
80'000.-
Total:
Fr. 1'000'000.-
Das
Konzessionsgesuch wurde am 14. Oktober 1949 dem Post- und
Eisenbahndepartement eingereicht, und am 11. Januar 1950 wurde dem
Initiativkomitee die Konzession für den Bau und Betrieb einer
Sesselbahn von Oberdorf auf den Weissenstein erteilt. Danach ging es
Schlag auf Schlag: Innert drei Wochen war ein Aktienkapital von Fr.
800'000.- gezeichnet, worauf am 18. März 1950 in Solothurn die
Aktiengesellschaft Bergbahn Weissenstein gegründet werden
konnte.
Mit den Bauarbeiten wurde Mitte Mai begonnen. Trotz mehrheitlich
schlechtem Wetter erstellte man die Bahn mit ihren drei
Stationsgebäuden
in einer Rekordzeit, so dass am 29. Dezember 1950 der
fahrplanmässige Betrieb aufgenommen werden konnte. Die
endgültigen Baukosten beliefen sich schliesslich auf
1'219'513.-
Franken.
1994,
nach über 40 Jahren unfallfreiem Betrieb, wurde an der
Sesselbahn
ein grösserer Umbau durchgeführt. Um die aktuellen
Auflagen
des Bundesamtes für Verkehr (BAV) zu erfüllen, wurden
folgende Arbeiten durchgeführt: Ersatz der Antriebe mit
Motoren,
Getriebe, Betriebsbremsen und Hilfsantrieben; Einbau von
Beschleunigungs- und Verzögerungseinrichtungen sowie von
Umlaufförderern in allen drei Stationen; Ersatz der Steuerung;
bauliche Massnahmen im Bereich der Stationen; Ersatz von zahlreichen
Stützenrollen; Ausrüstung der Stützen mit
Revisionsplattformen und Abhebeböcken; Seilwechsel auf beiden
Sektionen. Zudem wurden sämtliche Mastfundamente
überprüft und als in Ordnung befunden. Trotz dieser
Umbaumassnahmen blieb die charakteristische Bauweise der Sesselbahn
weitgehend erhalten, da die typischen Quersitzsessel mit den
Kupplungen, alle Stahlbauten und die Gebäude keine oder nur
geringfügige Änderungen erfuhren. Auch das
für dieses
Bahnsystem spezielle und einzigartige Fahrgefühl mit dem
unverwechselbaren Klang ist immer noch das gleiche wie im
Eröffnungsjahr 1950. Aus all diesen Gründen kann der
Sesselbahn Weissenstein heute ein hoher Nostalgiewert zugesprochen
werden, gepaart mit einem Sicherheitsniveau, das einem Vergleich mit
neuzeitlichen Standards durchaus Stand hält.
Und
aus einem weiteren Grund kommt der Weissensteinbahn
eine ganz besondere Bedeutung zu: Es ist dies die letzte Vertreterin in
der Schweiz der einst epochemachenden Sesselbahnbauart Von Roll VR101
(die ebenfalls schutzwürdige Sesselbahn Kandersteg-Oeschinen
des
gleichen Systems wurde nach
einem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts im Herbst 2008 leider
abgebrochen). Ein Gutachen des Bundesamtes für Denkmalschutz
kommt
zum
Schluss, dass es sich bei dieser Bergbahn um ein Technikdenkmal von
nationaler Bedeutung handelt und somit unter Schutz gestellt werden
soll.
Trotzdem ist die bestehende und zur Zeit stillgelegte
Weissensteinbahn
akut abbruchgefährdet. Ginge es nach den Plänen der
Betreibergesellschaft und des Kantons Solothurn, hätte die
Sesselbahn
bereits mit dem Auslaufen der Betriebsbewilligung 2009 durch eine
Sechsergondelbahn ersetzt werden sollen. Man verspricht sich von der
neuen Bahn
höheren Komfort, grössere Frequenzen und erweiterte
Einsatzmöglichkeiten wie Nachtfahrten oder erleichterte
Beförderung von Behinderten und Hunden. Die wirtschaftlich
notwendigen, fast doppelt so hohen Frequenzen will man mit
zusätzlichen Angeboten wie Sommerrodelbahn und Tubing-Anlage
generieren (solche Anlagen haben sich im BLN-Gebiet Weissenstein
zwischenzeitlich als nicht realisierbar herausgestellt, womit die
Wirtschaftlichkeit einer neuen Gondelbahn ernsthaft in Frage gestellt
werden muss).
Gegen
die hochfliegenden Pläne der Seilbahnbetreiberin formierte sich
starker Widerstand. Naturfreunde,
Landschaftsschützer und Wanderer wehrten sich gegen einen
Massentourismus auf dem Weissenstein, wenig nachhaltige
Retortenerlebnisse und massive Eingriffe in die unter Schutz stehende
Landschaft (BLN-Gebiet), verursacht durch die voluminösen, jede
Massstäblichkeit sprengenden Neubauten der Seilbahn und weitere
Zusatzinstallationen. Zudem wiesen Denkmalschützer sowie
Seilbahn-
und Technikfreunde auf die historische Bedeutung und die
Einzigartigkeit der bestehenden Sesselbahn hin, die in ihren Augen eine
unvergessliche Fahrt vermittelt und damit ein überaus
wichtiger
Teil des Gesamterlebnisses Weissenstein bildet. Freunde eines
naturnahen
Weissensteins
und der Nostalgie-Sesselbahn haben sich Anfang 2008 daher im Verein Pro Sesseli
zusammen geschlossen und versuchen nun gemeinsam mit dem Schweizer Heimatschutz SHS durch
Öffentlichkeitsarbeit und gezielte Aktivitäten den
Weissenstein und seine Bahn in der jetzigen Form zu erhalten. Es
bleibt zu hoffen, dass die genannten Organisationen Erfolg haben in ihren Bestrebungen und
dass der damalige Ausspruch des viel gereisten Zeitgenossen auch in
Zukunft Gültigkeit behält:
"Der
schönste Punkt der Welt!" Mit der heutigen
Ergänzung: "Erschlossen
durch die schönste Bergbahn der Schweiz!"
Technische Daten der Sesselbahn Oberdorf-Weissenstein:
| Erbaut durch | Von Roll, Werk Bern |
| Inbetriebnahme | 29. Dez. 1950 |
| Ausserbetriebsetzung* | 1. Nov. 2009 |
| Länge der schrägen Fahrbahn | 1. Sektion: 1622 m, 2. Sektion: 747 m |
| Höhenlage Talstation Oberdorf | 661 m. ü. M. |
| Höhenlage Mittelstation Nesselboden | 1064 m. ü. M. |
| Höhenlage Bergstation Weissenstein | 1280 m. ü. M. |
| Höhendifferenz zwischen Tal- und Bergstation | 1. Sektion: 403 m, 2. Sektion: 216 m |
| Grösste Sehnenneigung | 1. Sektion: 64,5 %, 2. Sektion: 60,5 % |
| Anzahl Zwischenstützen (Zwei- und Dreifachstützen als je eine gezählt) | 1. Sektion: 19, 2. Sektion: 9 |
| Stützenhöhen | kleinste: 6 m, grösste: 12 m |
| Grösste Spannweite | 1. Sektion: 159 m, 2. Sektion: 126 m |
| Durchmesser Förderseil | 1.+ 2. Sektion: 25 mm |
| Anzahl Doppelsessel | 120 |
| Eigengewicht eines Sessels | 120 kg |
| Fahrgeschwindigkeit | normal: 2,7 m/Sek., min. (Revision): 1,4 m/Sek. |
| Fahrzeit | 16
Min. (ganze Strecke) |
| Förderleistung | Sektion 1 + 2: 450 Pers./h |
Aktuelle Bilder der Sesselbahn Oberdorf-Weissenstein:
Abb.1+2: Die Talstation in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Oberdorf steht auf einem Gelände, das seinerzeit mit Ausbruchmaterial des Weissensteintunnels aufgeschüttet wurde. Um ungleichmässige Setzungen zu vermeiden, ruht die Station auf Fundamenten, die bis zu fünf Meter tief in gewachsenen Boden reichen. Die Station wurde ca. drei Meter über Terrain erstellt, um eine genügende Ausfahrhöhe zu erreichen. Die Unterkonstruktion besteht zur Hauptsache aus Bruchsteinmauerwerk und bei besonders beanspruchten Stellen aus Eisenbeton, während der Oberbau möglichst leicht in klassischer Holzkonstruktion gehalten wurde. Abb.3: Ansicht der mechanischen Ausrüstung in der Talstation. Abb.4+5: Die Umlenkstation mit den drei grossen Rädern funktioniert als Spannvorrichtung für die erste Sektion. Das in die Station einlaufende Seiltrum wird über eine erste Seilscheibe senkrecht in den 8,2 Meter tiefen Spannschacht und dort um die Umlenkscheibe des frei hängenden Spanngewichts von 6,5 Tonnen geführt (Abb.5). Anschliessend läuft das Seil wieder senkrecht nach oben, über eine weitere Seilscheibe mit 90° Ablenkung in die Horizontale und schliesslich nach einer letzten 180°-Umlenkscheibe wieder in Richtung Ausfahrt. Abb.6: Abfahrbereite Sessel in der Talstation. Abb.7: Nicht verwendete Sessel werden im Sesselmagazin untergebracht. Die Abstellgleise sind durch gewichtsbalancierte Klappweichen mit der Stationsschiene verbunden. Abb.8: Blick aus der Talstation auf die Strecke und die Eisenbahn-Überführung.
Abb.9-12: Nach der Stationsausfahrt schweben die Sessel über den grossen Park- und Bahnhofplatz. Abb.13: Blick vom Bahnhofplatz auf die Spezialstütze der Eisenbahnüberführung und die Strecke der Sesselbahn. Abb.14: Eine spezielle Situation entsteht durch die Kreuzung von drei unterschiedlichen Verkehrsträgern: Zuoberst die Seilbahn mit der zur Stütze kombinierten Schutzbrücke, darunter die Eisenbahn und ganz unten die Strasse. Abb.15: Die Schutzbrücke mit Tragmast von der Gleisseite gesehen. Grosse Sorgfalt verlangte die Ausführung der Fundamente der Eisenkonstruktion, mussten doch die unterschiedlichen Festigkeiten der Bahndammaufschüttung und die Erschütterungen der vorbei fahrenden Züge berücksichtigt werden.
Abb.16: Gleich nach dem Überqueren der Eisenbahnlinie steigt die Sesselbahn, eingebettet zwischen Bäumen, am Hang des Vorberges empor. Abb.17: Aufgrund der stellenweise vorkommenden Querneigung des Hanges weisen die Rollenbatterien einzelner Stützen unterschiedliche Höhen auf. Damit wird erreicht, dass die vorgeschriebene Höhe der Fahrbahn über Boden für die Berg- wie auch für die Talspur eingehalten wird. Abb.18-21: Ansicht der Strecke am sonnigen Vorberg. Im oberen Teil ist das Gelände mit Fels durchsetzt. Abb.22-24: Die Kuppe des Vorberges ist erreicht. Nach dem Passieren einer imposanten Dreifachstütze und einem weiteren Einzelmast wechselt die Linienführung überraschend in ein Gegengefälle.
Abb.25: Nach der Kuppe des Vorberges gleiten die Sessel erst ein Stück talwärts und wechseln kurz darauf wieder in eine Steigung, um die Mittelstation Nesselboden zu erreichen. Abb.26: Einfahrt zur Mittelstation Nesselboden auf 1064 Meter über Meer. Als Einfahrstütze kommt auch hier wieder ein imposanter Dreifachmast zum Zug. Abb.27: Dreifachstütze zur Einfahrt in die Station Nesselboden mit Blick in Richtung Vorberg. Deutlich ist das Gegengefälle auf diesem Streckenabschnitt auszumachen. Abb 28: Einfahrender Sessel in die Station Nesselboden. Das Schild rechts gibt folgenden Hinweis: "Reisende nach Weissenstein sitzen bleiben". Abb.29: Ausblick aus der Mittelstation auf die Einfahrstütze und einen herannahenden Sessel. Im Hintergrund sind die Masten auf der Kuppe des Vorberges auszumachen. Abb.30: Idyllisch gelegene Mittelstation auf Nesselboden. Durch diese Zwischenstation, in der auch aus- und zugestiegen werden kann, wird die Bahnstrecke in einem Winkel von etwa 120° abgelenkt.
Abb.31: Antriebseinheit der ersten Sektion. Unter der Tragkonstruktion sind der Antriebsmotor, die Betriebsbremse und das Getriebe untergebracht. Vor dem Antriebsmotor befindet sich die Hydraulikeinheit, die der Steuerung der Bremsen und des Notantriebes dient. Abb.32: In der Bahnhalle der Mittelstation. Hier treffen die beiden Sektionen aufeinander, die im Bedarfsfall unabhängig voneinander betrieben werden können. Verbunden sind sie durch Schienen, auf denen die Sessel nach der Einfahrt und dem Abkuppeln vom Seil zur Startstelle der nächsten Sektion weiter rollen. Auf den Verbindungsschienen werden die Sessel heute von Kettenförderern erfasst und automatisch vorwärts bewegt. Früher musste diese Arbeit durch das Stationspersonal von Hand verrichtet werden. Durch die beiden Antriebseinheiten und die Anordnung der Verbindungsgleise mit den Weichen wurde ein grosser stützenfreier Raum für die Bahnhalle notwendig. Für die Überdeckung dieses Raums kamen daher mehrfach verleimte Hetzerbinder von 16 Metern Spannweite zur Anwendung. Am linken Bildrand sind der Kommandoraum und darüber die Hetzerbinder der Dachkonstruktion zu sehen. Abb.33: Antriebseinheit der zweiten Sektion und ein startender Sessel in Richtung Weissenstein. Früher kamen für die Beschleunigung der Sessel die klassischen Rampen mit Gefälle zur Anwendung. Diese sind zwar heute noch vorhanden, wurden aber nachträglich mit Pneuradbeschleunigern nachgerüstet. Damit wird gewährleistet, dass die Sessel nach der Startfreigabe nicht sich selbst überlassen sind und bis zur Kuppelstelle exakt die Seilgeschwindigkeit erreichen. Abb.34+35: Blick aus der Station Nesselboden auf den nachfolgenden steilen Streckenabschnitt der zweiten Sektion. Abb.36: Stationsausfahrt der Mittelstation gegen die zweite Sektion. Durch das Gefälle der Startrampe liegt die Führungsschiene auf der Ausfahrseite tiefer als auf der Einfahrseite. Abb.37+38: Nach der Stationsausfahrt steigt die Strecke steil an, führt über einen Einfach- und kurz darauf über einen Doppelmast.
Abb.39: Niederhaltemast auf der zweiten Sektion. Abb.40: Auf der Bergfahrt mit Blick zurück in Richtung Zwischenstation Nesselboden. Abb.41: Auf Talfahrt auf der oberen Sektion. Unten im Tal glänzt die Aare, während im Süden ist die Alpenkette zu erkennen ist. Abb.42: Bergfahrt. Gemütliches Dahinschweben durch die Natur auf dem offenen Sessel, was alle Sinne angeregt! Abb.43: Hinter diesem Mast taucht das Ziel unserer Fahrt auf. Der Weissenstein ist in wenigen Minuten bezwungen. Abb.44: Für den letzten Streckenabschnitt werden die bewaldeten Hänge zurückgelassen und man schwebt über sanfte, grüne Weiden. Blick gegen das Mittelland. Abb.45+46: Die Sesselbahn mit dem historischen Kurhaus Weissenstein.
Abb.47: Der letzte Streckenabschnitt bietet die wohl atemberaubensten Ausblicke! Das ganze Schweizer Mittelland und eine Alpenkette vom Säntis bis zum Mont Blanc breiten sich aus. Nur auf dem offenen Sessel wird dieser Genuss erst perfekt! Keine zerkratzten und trüben Plexiglasscheiben und keine Fensterstege einer geschlossenen Gondel behindern die Sicht! Links vom Sessel ist das Berner Oberländer Dreigestirn Eiger Mönch und Jungfrau zu erkennen. Abb.48: Mit welcher Formvollendung und Ästhetik früher Stützen konstruiert wurden, zeigt dieses Bild auf eindrückliche Weise. Abb.49-52: Kurz vor der Bergstation Weissenstein. Als Kuppengerüst kommt hier ein Doppelmast zur Anwendung. Abb.53: Einfahrt in die Bergstation. Die Stationen von Sesselbahnen der Bauart Von Roll waren sehr oft mit Flügeltüren ausgestattet, die während längeren Betriebspausen geschlossen werden konnten.
Abb.54: Nochmals die doppelte Einfahrstütze vor der Bergstation mit einem herannahenden Sessel, der gleich in die Station einfahren wird. Abb.55: Die Bergstation mit einem einfahrenden Sessel. Bei Umlaufbahnen mit kuppelbaren Klemmen verlangten die Bauvorschriften früher einen kurzen ansteigenden Streckenabschnitt nach der Stationsausfahrt in Richtung Tal, bevor die Fahrzeuge ins Gefälle übergehen. Der Ankuppelvorgang während der Ausfahrt wird von Kontrolleinrichtungen überwacht, die im Fall einer Fehlkupplung die Bahn abstellen. Ein ungenügend gekuppelter Sessel, der von der Ausfahrüberwachung nicht zurückgehalten wurde und infolge des Bremsweges nach einem Nothaltbefehl die Station bereits verlassen hat, würde durch die folgende Steigung nicht talwärts durchbrennen, sondern in Richtung Station zurück rutschen. Abb.56: Blick ins Innere der Bergstation. Im Gegensatz zur Talstation finden wir hier eine Spannstation der normalen Bauart, wie sie bei Von Roll-Bahnen meistens zur Anwendung kam. Das gelbe Umlenkrad ist auf einem in der Längsachse beweglichen Schlitten gelagert, der durch ein Spanngewicht von 10 Tonnen belastet ist. Verzögert und beschleunigt werden die Sessel auch hier mittels Pneuradförderern, und für das Fortbewegen auf dem Stationsgleis dient ein Kettenzug. Abb.57: Das schmucke Gebäude der Bergstation steht an der Stelle des ehemaligen Eiskellers, dem "Kühlschrank" des Kurhauses. Der alte Eisschacht musste zuerst ausgeräumt und teilweise abgebrochen werden um Platz zu schaffen für die Verankerungsfundamente der Spannstation. Abb.58: Die legendäre, doppelt wirkende Von Roll-Sesselbahnklemme, nach ihrem Erfinder auch Zuberbühler-Klemme genannt. Rechts im Gehäuse sehen wir die kräftige Druckfeder die auf die federseitige Klemmbacke drückt, während die gehängeseitige Klemmbacke über eine Hebelübersetzung wirkend das angehängte Gewicht des Sessels ausnützt. Bei einem Bruch der Feder bleibt das Zusammenspiel der Klemmkräfte durch das Sesselgewicht und die Hebelübersetzung aufrecht erhalten, so dass ein Abrutschen der Klemme auch in diesem äusserst unwahrscheinlichen Fall nicht zu befürchten ist. Aussen am Gehäuse über der Druckfeder befindet sich der senkrecht stehende Arretierhebel, der die Klemmbacken in der gekuppelten Stellung festhält. Abb.59: Eine Flugaufnahme mit Blick nach Süden. Am Horizont die Berner Alpen, im Vordergrund das Kurhaus Weissenstein und rechts daneben eingebettet zwischen Bäumen die Bergstation der Sesselbahn.
Bilder aus vergangenen Zeiten:
Abb.60: Projektskizze für die Talstation Oberdorf des Architekturbüros Hüsler aus Solothurn. Quer zum Haupttrakt befindet sich das Sesselmagazin. Vergleiche auch mit Bild Nr. 2. Abb.61: Die Talstation in den Anfangsjahren der Bahn. Auffallend: Kein einziges Auto ist auf dem Parkplatz auszumachen! Früher reisten die meisten Sesselbahnbenutzer halt noch per Bahn an. Abb.62: Die Talstation in den Siebzigerjahren. Eben verässt eine Zweierkabine der Bauart Gangloff die Station. Solche Gondeln, in denen man ebenfalls quer zur Fahrrichtung nebeneinander sass, waren in geringer Anzahl lediglich versuchsweise im Einsatz. Abb.63+64: Blick vom Vorberg in Richtung Zwischenstation Nesselboden. Die Bewaldung in der Umgebung der Station hat in der Zwischenzeit stark zugenommen! Abb.65: Eine gelbe Gangloff-Gondel hat die Station Nesselboden verlassen und strebt nun der Talstation Oberdorf zu.
Abb.66: Die Mittelstation auf Nesselboden in der Anfangszeit der Bahn. Das Gebäude wirkt noch sehr neu. Abb.67: Dieses stimmungsvolle Bild einer Postkarte zeigt die faszinierende Symbiose zwischen Natur und Technik. Abb.68: Nochmals eine alte Postkarte, diesmal mit der klassischen Ansicht der Sesselbahn vor dem Kurhaus Weissenstein. Damals hatten die Masten noch keine Seilabhebejoche und noch keine Revisionsplattformen. Abb.69: Dekoratives Plakat der Bergbahn Weissenstein aus den Fünfzigerjahren. Abb.70: Rettet die Sesselbahn Oberdorf-Weissenstein! Mit einem Beitritt zum Verein Pro Sesseli unterstützen Sie das Begehren, die historische Sesselbahn als technisches Kulturgut von nationaler Bedeutung zu erhalten, sowie Natur und Landschaft des Weissensteins vor den geplanten Eingriffen des Projekts "Weissenstein plus" zu bewahren. Jedes Mitglied zählt! Nur gemeinsam sind wir stark genug!
Bildnachweis: Abb. 1 - 58: C. Gentil, Samedan; Abb. 5: A. Jacomet, Bern; Abb. 62, 65: Sammlung J. Schuler, Orpund; Abb. 59, 60, 63, 64, 67, 68, 69: Sammlung C. Gentil.
Kommen Sie
mit auf eine Rundfahrt mit der Sesselbahn Oberdorf-Weissenstein!
Videoclip
(15 Min., Quicktime, 21,6 Mb)
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