Modellseilbahnen

 

Seilbahnen auf Modelleisenbahn-Anlagen

Seilbahnen als funkionsfähige, originalgetreue Modelle bekommt man leider sehr selten zu sehen. Am ehesten trifft man sie noch auf Modellbahnanlagen an, wo dann in den meisten Fällen eine Seilbahn des Zubehörherstellers Brawa ihren Dienst als besonderer Blickfang tut. Im Massstab 1 : 87 (HO) bietet die Firma eine Lorenseilbahn, ein Sessellift, eine Gondelbahn, zwei Luftseilbahnen und eine Standseilbahn an. Für die Liebhaber der Spur N (1 : 160) gibt es eine Grosskabinen-Umlaufbahn und eine Standseilbahn. Alle Bahnen werden als Komplett-Set inkl. Antriebsmotor ausgeliefert. Für jeden Bahntyp sind auch dazu passende Stationsgebäude als Bausätze lieferbar; diese müssen aber noch extra dazu gekauft werden. Die aufwendigste Bahn ist sicher die Titlis "Rotair" im Massstab HO. Der mit Figuren bestückte Boden der Kabinen dreht sich während der Fahrt, die Kabinen sind beleuchtet und die Stationen (die Gebäudebausätze sind in diesem Set enthalten) sind mit richtig funktionierenden Schiebeperrons ausgestattet! Für detailliertere Informationen über die Brawa-Seilbahnen verweise ich auf folgenden Link:

http://www.brawa.de


Verkehrshaus der Schweiz

Ein schönes Ausstellungsmodell einer Luftseilbahn finden wir im Verkehrshaus in Luzern. Anhand dieser Anlage wird die Funktionsweise einer Pendelbahn anschaulich dargestellt. Durch die Plexiglasverkleidungen an den Stationen wird der Blick auf die Seilführungen, die Spannvorrichtungen und auf den Antrieb ermöglicht. Die imposante Stütze ist wie das Original aus vielen Profilen, Streben und Knotenblechen mit Hilfe von unzähligen Schräubchen zusammengesetzt. Natürlich sind die Tragseilsattel mit den nötigen Zugseilrollen ausgerüstet. Die sehr vorbildgetreu wirkenden Kabinen besitzen Gehänge in Fachwerkbauweise und aufwendige Laufwerke mit je 24 Rollen. Das Modell, das sein Vorbild übrigens in der ehemaligen Titlisbahn findet (gebaut durch Von Roll, Bern), zeigt den Stand der Seilbahntechnik aus den 60er-Jahren.

Titlis 1 Titlis 2 Titlis 3 Titlis 4 Titlis 5 Titlis 6 Titlis 7

Fotos: C. Gentil

http://www.verkehrshaus.ch


Swissminiatur Melide

Gemsstock 1 1 Gemsstock 2 2 Corvatsch 3

Abb.1+2: Gemsstockbahn. Abb.3: Corvatschbahn

Weitere grössere Seilbahnmodelle gibt es in der Swissminiatur in Melide (Tessin) zu bewundern. Etwa im Massstab 1 : 20 gehalten, finden wir dort Modelle der Corvatschbahn, der Luftseilbahn Andermatt - Gemsstock sowie als neueste Anlage die Titlis "Rotair". Weiter gibt es eine Nachbildung der Gondelbahn Grindelwald - Männlichen und ein Modell der Standseilbahn Lugano - Monte San Salvatore. Da es sich um robuste, wetterfeste Konstruktionen handelt, mussten bei der Detaillierung gewisse Kompromisse eingegangen werden. So sind zum Beispiel die Stützen der Corvatsch- und der Gemsstockbahn reine Zweckkonstruktionen ohne Anlehnung an das Vorbild, und bei der Männlichenbahn sind die Kabinen auf Grund ihrer Grösse nicht kuppelbar ausgeführt. Trotzdem wurden alle Seilbahnen sehr effektvoll in Scene gesetzt; vor allem die Bergstationen im "Schnee" wirken sehr realistisch und auch die liebevoll gepflegte (echte) Bepflanzung der Landschaft trägt ihren Anteil dazu bei. Ein Besuch der Swissminiatur kann daher Freunden von Modellseilbahnen (und nicht nur ihnen!) wärmstens empfohlen werden.

Rotair 1 4 Rotair 2 5 Rotair 3 6 Rotair 4 7

Mànnlichen 1 8 Mànnlichen 2 9 Mànnlichen 3 10 San Salvatore 11

Abb.4-7: Titlisbahn "Rotair". Abb.8-10: Gondelbahn Grindelwald - Männlichen. Abb.11: Standseilbahn Lugano - San Salvatore. Alle Fotos: C. Gentil

http://www.swissminiatur.ch


Eigene Projekte

Als Modellbauer habe ich mir schon Gedanken gemacht, wie sich der vorbildgetreue, richtig funktionierende Nachbau einer kuppelbaren Umlaufbahn verwirklichen liesse. So etwas gibt es meines Wissens nach noch nicht, zumindest habe ich noch nie etwas in der Richtung gesehen. Als Vorbilder kämen für mich natürlich nur eine meiner "Lieblingsbahnen" in Frage: Eine Von Roll-Sesselbahn aus den 40er-Jahren oder eine Zweiseil-Gondelbahn der Firma Bell aus Kriens. Dabei schwebt mir ein möglichst genauer Nachbau mit allen typischen Merkmalen des Originals vor. Der Knackpunkt eines solchen Unterfangens sind sicher die Kupplungen der Fahrzeuge; bei einem möglichen Massstab von 1 : 22,5 (LGB-Gartenbahnen) werden sie zu klein, um einfach das Original kopieren zu können. Mögliche Lösungsansätze habe ich bereits zu Papier gebracht und in Form von Prototypen verwirklicht. Ob das dann im Betrieb auch funktioniert, bliebe noch weiter abzuklären. Das Hauptproblem dürfte die im Verhältnis zur Grösse viel zu geringe Masse des Fahrzeuges sein; nach dem Abkuppeln in den Stationen würde es sofort stehenbleiben, wenn es nicht von einer geeigneten Fördereinrichtung weiterbewegt würde. Auch das Beschleunigen und das Ankuppeln an das umlaufende Seil wird wohl nur funktionieren, wenn dabei mit einer derartigen Fördereinrichtung nachgeholfen wird. Wie aber wird so etwas in die Praxis umgesetzt? Abgesehen davon, dass beim Bau einer solchen Bahn höchste Präzision verlangt würde, müsste praktisch alles von Grund auf selbst angefertigt werden, da der Modellbaumarkt für solche Vorhaben kaum geeignetes Zubehör anbietet. Einzig für die normalen "Stahlbauarbeiten" wie Stützen und Stationskonstruktionen könnte man auf die im Handel erhältlichen Messingprofile zurückgreifen, die sich sehr gut weichlöten lassen. Und die grossen Seilscheiben (Antriebs- und Umlenkscheiben) liessen sich auch ohne Drehbank aus mehreren Lagen Flugzeugsperrholz fertigen. Für die vielen Seilrollen der Stützen und Laufwerke müsste dann aber wohl eine Drehmaschine herhalten, da ich auf der Suche nach entsprechenden Teilen bis jetzt noch nicht fündig geworden bin. Bei allen Problemen, die der Nachbau einer kuppelbaren Umlaufbahn aufwerfen würde, könnte man dabei seiner Kreativität freien Lauf lassen und im Falle einer erfolgreichen Verwirklichung mit Stolz und Freude das eigene Werk im Betrieb erleben. Weniger Probleme dürfte der Nachbau einer Pendelbahn bereiten; automatische Klemmen und Stationsfördereinrichtungen gibt es da nicht und bei gleichem Massstab würde alles etwas grösser, so dass nicht gerade Uhrmacherpräzision wie bei einer Umlaufbahn verlangt würde. Allerdings sollte der Arbeitsaufwand auch hier nicht unterschätzt werden; man denke nur z.B. an die 16- bis 24-rolligen gelenkigen Laufwerke der Kabinen! Für die Kabinen selbst käme wohl Flugzeugsperrholz oder Messingblech in Frage und die Stützen könnten auch hier wieder aus Messingprofilen zusammengeschraubt oder verlötet werden. Schlussendlich bleibt dem Modellbauer selbst überlassen, wie weit er es mit der Vorbildtreue und der Detaillierung treiben möchte; das Wichtigste ist sicher, dass der Spass am Tüfteln und an der Arbeit nicht verloren geht und dass man auf diese Art und Weise die Seilbahntechnik zu sich nach Hause holen kann.

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Abb.1-3: Prototyp eines Laufwerkes mit 2 Klemmen für eine Zweiseil-Gondelbahn. Abb.4: Rohbau einer Kabine aus Flugzeugsperrholz. Für die "Serienproduktion" würde sich hier die GFK-Technik (Glasfaserverstärktes Epoxidharz) anbieten: Aus einem Urmodell fertigt man eine Negativform, aus der dann beliebig viele Kunstoffkabinen abgeformt werden können. Abb.5+6: Modell eines Doppelsessels "Von Roll" aus Messing mit Schwerkraftklemme.


Modell eines VR101-Sessels im Massstab 1:5

Ein sehr schönes und absolut massstäbliches Modell eines Quersitz-Sessels der Bauart Von Roll VR101 hat der Modellbauer und Seilbahnfreund Jakob Schuler aus Orpund gefertigt. Auf Grund des grosszügig gewählten Massstabes von 1:5 konnte der Sessel genau wie das Original aufgebaut werden, einzig die Klemme wurde nicht funktionsfähig ausgelegt; sie ist in der äusseren Formgebung aber weitgehend dem Original nachempfunden.

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Abb.1+2: Gesamtansichten des Sessels. Abb.3: Detailansicht. Man beachte die vorbildgetreue Gestaltung der Holzlattensitze und der aufklappbaren Schliessbügel. Abb.3-6: Kupplung und Gehänge. Abb.7: Wer möchte da nicht Platz nehmen bei dieser Begleitung!

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Abb.8: Detailaufnahme der Holzlattensitze, Fussstützen und der Skihalterung zwischen den Sitzen. Abb.9-12: Sehr realistisch wirkende Aufnahmen des Sessels im Freien. Nur: Für die Jahreszeit wohl etwas leicht bekleidet, die Dame! Der komplette Sessel wiegt übrigens 970 gr (ohne Figur).

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Abb.13: Die vorgebogenen Drähte und weitere Einzelteile liegen bereit zum Hartlöten. Für die Sesselkonstruktion wurden Eisendrähte (Schweissdrähte) mit einem Durchmesser von 4 mm (Grundgerüst), 3 mm (Dachstreben) und 10 mm (Mittelsäule) verwendet. Abb.14: Gleich zwei Sessel sind im Rohbau fertig verlötet und müssen noch verputzt und mit Silbereisenglimmer gestrichen werden. Abb.15: Die Einzelteile aus Aluminium für das Laufwerk und das Gehänge. Die vier Laufrollen mussten speziell gedreht werden. Abb.16: Der Sessel während der Endmontage. Die Sitze sind bereits fertig mit Kieferholzlatten 12 x 3 mm beplankt. Alle Holzteile wurden zum Schluss noch lackiert. Abb.17+18: In der Zwischenzeit ist bei J. Schuler die "Serienproduktion" angelaufen. Gesamthaft wurden acht Stück produziert, die aber alle unverkäuflich sind.  

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Abb.19-21: Der Sessel zusammen mit einem im Massstab passenden Von Roll-Mast in Szene gesetzt. Diese originalgetreue Stütze aus feinen Stahlprofilen wurde vor vielen Jahren von Von Roll-Lehrlingen gebaut und konnte erst kürzlich vor dem Alteisen gerettet werden.

Fotos: Jakob Schuler, Orpund

Kontakt: J. Schuler


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